Signs of Triviality

Opinions, mostly my own, on the importance of being and other things.
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Sinnlos - oder: Ulla Kock am Brink vs. Geschlechtsverkehr

Ulla Kock am BrinkOhne Zweifel läßt es sich behaupten, dass das Leben als solches hart ist, zumeist seiner Vereinfachung dient, die aber immer ein Stöhnen über seine Härte und die Suche nach Wegen zum Ertragen derselben nach sich zieht. Dies ist der Punkt, wo der Leibhaftige einen Kreis zieht und die Muschi sich in den Schwanz beißt. Beide scheinen dadurch auf verschiedene, doch unerklärbare Weise einen unglaublich fest stehenden Satz konfirmiert zu haben. Ob das stimmt oder nicht, sei dahingestellt; es interessiert mich auch nicht. Es ließe sich ebenso zweifelsfrei behaupten, dass die Lehrer einer beliebigen Lehranstalt neurotische Drogendealer sind. Überhaupt kein Problem. Man müßte es nur in einen komplexen, sich aus sich selbst ergebenden und daher völlig überflüssigen Satz stecken. - Hm, zugegeben, etwas schwieriger, als ich gedacht habe. Bis jetzt ist es mir nicht gelungen. Da dies jedoch auch nicht der Sinn meines Schreibens ist, stört mich das herzlich wenig.

Aber es gibt da etwas, das mich stört, und zwar gewaltig. Nämlich die Sache mit dem Sinn. Ohne zum Vorschein zu treten winkt er mir aus verschiedenen Ecken zu, rennt aber weg, sobald ich zurückwinke; wer kennt das nicht. Da ich ihn also nicht zu ergreifen vermag, lasse ich ihn laufen und zum wachsenden Pfeffer gehen, um mich anderen Dingen zuwenden zu können. Oder noch besser: Da der eigentliche Sinn bis hierher eine Variable war, gönne ich ihm auch weiterhin die Vorzüge einer solchen Existenz und lege ihn kurzfristig auf "Erstaunen und Beschimpfen" fest, was ein lustiges Spiel mit den Vorlieben zuläßt. Doch versteife ich mich lieber darauf, die Leere der Variablen "Sinn" mit sinnvoller Fülle zu leeren, was auch recht lustig klingt. Hiermit schimpfe ich also auf die ARD: Dieser Sender ist so schlecht, dass mir erstens partout nicht einfallen will, wofür diese Abkürzung steht, und andererseits, dass sie einfach, ohne ganz interaktiv (Merke, Leser, hier ist der aktuelle Bezug zum Mode(Un)wort der Medien hergestellt worden!) die Zuschauer abstimmen zu lassen, ob sie das überhaupt wollen, anstelle von der "Lindenstrasse" einen Bericht über Charles&Di bringen.

Sledge HammerAls wenn es einen Reservisten der 1. Reihe interessieren würde, welche der beiden fragwürdigen Personen sich mit wessen Geschlechtsorganen und Hilfsmitteln eingehender als nötig beschäftigt. Außerdem sieht es so aus, also ob VOX keinen "Sledge Hammer" mehr bringt, doch erwähne ich dies nur nebenbei, da mir soeben ein neues Thema vom Grunde des TV-Schlamms aufgestoßen ist:

Interaktives Fernsehen. Interaktives Fernsehen, das muß man sich erstmal dreimal laut oder leise vorsprechen. Interaktives Fernsehen. Interaktives Fernsehen. Interaktives Fernsehen. Interaktives Fernsehen. Brav so, Leser! "Wenn dieses System endlich mal funktionieren würde, mann das wäre toll!!" denkt Dr.TV unkompliziert. Meine Gedanken dazu: "Mensch, das wär ja irre!!" Und damit habe ich recht: Keine Lust auf Ulla Kock am Brink? Super, ein Anruf genügt, und die Frau wird, mit Sauerkraut beschmissen, aus dem Studio getreten. Ersatz: Frank Elstner (a), Wolfgang Lippert (b) oder Monthy Python (c). Keine Frage, (a) und (b) leisten Ulla Kock am Brinck, auch den Namen sollte man öfter aussprechen, allerdings nur, wenn man das Bedürfnis verspürt, sich plätschernd zu übergeben. Und nun bringe ich den so unschön unterbrochenen Satz zu Ende: in der Schlammgrube vor dem Studio Gesellschaft. "Aber das geht doch gar nicht, da hat doch nicht jeder die gleiche Meinung, die wissen dann ja gar nicht, was sie nu zeigen sollen!" Bravo, Leser! Du hast recht.

Überhaupt haben Bravo-Leser relativ häufig recht. Zum Beispiel lernen sie in der Bravo vom 1.9. dieses Jahres, dass Küssen auf dem Schulhof nicht verboten ist (S.60). So würden sie also auf die Frage "Ist Küssen auf dem Schulhof verboten?" mit einem ziemlich entschiedenen "Nein" antworten, mit Ausrufezeichen! Ebenso auf die Frage "Wußtest du, dass ein Zahnstocher unter Umständen mehr wert sein kann, als ein Kilo Gold?" und beidemale hätten sie recht.

Bravo BRAVO 36/94, 01.09.1994Auch auf die Frage: "Wer macht die unpassendsten Bildunterschriften außer Picasso und Max Goldt?" würden sie die richtige Antwort geben: "Bravo". Beweisen würden sie dies mit einem Foto, entnommen der Seite 25 der oben genannten Ausgabe, auf dem ein junge und ein Mädchen zu sehen sind, die einen Akt vollziehen, der in phantasielosen Kreisen "das alte Rein-Raus-Spiel" genannt wird. Sehr eindeutig. Darunter steht: "Timo genießt es, wenn Eva ihn mit sanften Massagen verwöhnt."

Nein, natürlich kann auch ich mir den Zusammenhang zwischen den sanften Massagen und dem Spiel denken, sehe ihn offensichtlich, doch bin ich der Meinung, dass dies hier nicht näher erläutert werden sollte und rechtfertige so die korrekte Antwort, um auf diesem Thema nicht auszurutschen. Das Gleichgewicht verlor ich dennoch, denn der Sinn rannte plötzlich fort. Weit weg, ich kann ihn nicht mehr erfüllen. Tja, das Leben als solches ist hart.

P.S.: Es ist mir nun doch gelungen: "Die herrschende Nonkonformität der Lehrkörper äußert sich in dem Drang, Schülern den Genuß von von sich selbst als legitim bewerteten Mitteln zur Problemlösung verschiedenster Art schmackhaft zu machen, sie dafür zu begeistern, als auch in der Suche und Bestätigung des Erstgenannten." Sag ich doch, überhaupt kein Problem.

Dezember 1994


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