Signs of Triviality

Opinions, mostly my own, on the importance of being and other things.
[homepage] [index] [jschauma@netmeister.org] [@jschauma] [RSS]

Statistiken, die einem das Leben retten können

Fallentwicklung Schwere DiebstähleVon allen Menschen auf dieser Welt, die etwas bekanntgeben oder schlichtweg den Überblick haben, gelingt es doch keinem, mich immer wieder so in freudige Hochstimmung zu versetzen, wie meinen Lieblingen, den Statistikern.

Neulich gaben sie wieder eine dieser phä¤nomenalen, alle Grenzen des normalen Denkens sprengende Information an das nieder Volk weiter, mit der sie alle Bankkaufleute verunsicherten, indem sie ihnen mit statistischer Genauigkeit versicherten, dass eigentlich jeden Tag in Deutschland fü¼nf Banken überfallen werden. Genial! Einfach toll: einfach, aber toll! Da fragt man sich doch: "Wo nehmen die eigentlich immer diese Ideen her?" Wenn mir in meiner Einfältigkeit jemals so ein brillanter Gedanke gekommen wäre, wie etwa festzustellen, dass 1991 1196 Banken Ziel eines meist wenig geplanten Anschlages auf den schnö¶den Mammon wurden, ich würde mich, ob der Erkenntnis meines Genies voller Selbstzufriedenheit sinnlos besaufen.

Auch das Wissen, dass es in Buitenzorg auf Java 322 Tage im Jahr gewittert, würde mich dazu zwingen, selbiges anderen Menschen mitzuteilen. Doch bleiben wir bei den Banken und deren Überfälle in Deutschland. Die Statistiken (sie sollen im folgenden Götter genannt werden, denn in deren Köpfen scheinen sich ja die lebenswichtigen Fakten zu drängeln wie Taubenschisse in Venedig), also die Götter geben sich mit der Bekanntgabe der Anzahl der hinterlistigen, illegalen Geldbereicherungsversuche nicht zufrieden. Oh, nein! Sie forschen weiter, und siehe da: neue bahnbrechende Fakten kommen ans Tageslicht.

Geld her, Überfall!Die statistische (göttliche!) Dauer eines Überfalls beträgt exakt 3 Minuten und die göttliche beute verläuft sich auf genau 27257,53 DM. Und das, obwohl 3% aller Räuber weniger als 25 DM mitgenommen haben. Und das wiederum, obwohl von 100 Übeltätern (5,9% sind übrigens Frauen) nur 40 durchkommen. meine Ehrfurcht vor den Göttern stieg beim lesen dieser Fakten ins Unermeßliche! Wahnsinn; wie die das alles mal wieder rausbekommen haben mögen? Besonders die Sache mit den 25 DM finde ich erstaunlich. Denn welcher Döspaddel würde schon zugeben, dass er so blöd war, anstelle der göttlich ermittelten 27257,53 DM nur 25 oder sogar weniger mitgenommen zu haben, denn schließlich hatte er doch 3 Minuten Zeit! Zu dieser wirklich interessanten Statistik meinte der uns allen bekannte Franz-Josef Arndt von der Presseabteilung beim Bund Deutscher Banken: "Da ist es allemal günstiger, eine Bank zu gründen, als eine zu überfallen."

Mooment, da haben wir wohl einen kleinen Schlaumeier, wie?? Woher soll denn der Durchschnittsmensch das nötige Kleingeld zur Gründung eines solchen Instituts hernehmen? Kein Problem, er überfällt eins und nachher, wenn er daraufhin eine Bank gegründet hat, zahlt er es unauffällig zurück. Ohne Zinsen! aber halt, reichen denn 27257,53 DM aus, um eine Bank zu gründen? Wenn nicht auch egal, er überfällt einfach noch vier weitere, wozu er nicht mehr als eine Viertelstunde braucht. Göttlich gesehen!

November 1993


[Das ZDF, der Katalog und Ich] [Index] [Ei Eboshi! Se Mushi! No Fuji!]