Signs of Triviality

Opinions, mostly my own, on the importance of being and other things.
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Mit Gott im Urlaub

Kreta"Ihr schon wieder..." Ich war wirklich genervt, als ich entdecken musste, dass sich direkt neben mir Gott und der Teufel auf einem Handtuch niederlassen wollten. Da macht man mal zwei Wochen im Jahr Urlaub, fährt mit einer weiblichen Begleitung seiner Wahl nach Kreta zwecks Relaxung und dann das. Nicht nur, dass man auch in dem kleinsten aller Fischerdörfer in der romantischsten aller Buchten ausserhalb der gängigsten aller Saisonnen (Saisons?) ständig von Landsleuten (bestenfalls noch einem älteren holländischen Pärchen, das sich anbietet einen zu fotografieren) umgeben ist, was allein schon Grund für eine Nervung wäre, nein, dann müssen auch noch Gott und der Teufel dazukommen. Ich wusste gleich wie das wieder ausgehen würde: Ständiges Gezanke und Gemecker, was anderes hört man ja von den beiden nicht. Ich mein, trifft man sie einzeln, okeh, das geht. Dann sind sie beide nett und versuchen dich zu umwickeln und zu umgarnen, aber zusammen.... nee, wirklich nicht.

Zu meinem Erstaunen benahmen sie sich nun jedoch wirklich recht zivil, so dass ich mich wieder hingebungsvoll meiner Herzensdame zuwenden konnte. Gerade hatten wir nämlich entdeckt, dass unsere Flugbegleiterin direkt vor uns ihren (wenn auch nicht weiter erwähnenswerten aber auch nicht unansehnlichen) Körper der Sonne und einem älteren Pärchen, mit dem sie sich gut zu verstehen schien, entgegenräkelte. Sagt man das eigentlich, Flugbegleiterin? So als deutsches Pendant zu Stewardess? Ich zumindest fänds okeh. Wie auch immer, das bezaubernde Mädchen an meiner Seite sagte nein, das isse nich, die sieht doch ganz anders aus. Ganz sicher war ich jedoch auch nicht. Im Flugzeug hatte sie ja erstens was anderes und zweitens viel mehr an gehabt. Obwohl ich auch durchaus dafür wäre, adrette junge Flugbegleiterinnen auf den Flügen in adrette kleine Badesachen zu stecken, war ich etwas enttäuscht, dass sie im Gegenzug nun hier ihre Uniform nicht trug. Mit einer solchen hätte ich sie zweifellos als eine Flugbegleiterin identifizieren und dann danach fragen können, ob man den nun Flugbegleiterin sage und ob sie nicht in Zukunft im Bikini flugbegleiten wolle...

A German tourist"Kleider machen eben Leute" dachte ich mit einem bissigen Seitenblick auf Gott, der wieder einmal seine neongelb-schwarz-gestreifte, ausgeleierte Badebuchse anhatte. Ausserdem gefielen mir seine Socken nicht, oder eher der Umstand, dass er sie trug. Am Strand! Bei 32 Grad im Schatten! Und nachher dann diese schäbbigen braune-Haut-weiße-Haut-Ränder! Ansonsten sind ja weiße Tennis-Socken eine Sache, die ich nicht gerade enthusiastisch aber doch ein wenig verteidigen muss, da ich selber Besitzer einiger solcher bin. Der Teufel dagegen, nicht ungeschickt, wollte er doch mächig Eindruck machen auf das anwesende Weibsvolk (welches jedoch mit Ausnahme der Flugbegleiterin gänzlich bemannt war) zeigte sich und seinen gebräunten Körper in bester From sowie einer schnittigen aber doch körperbetonenden Badeshorts.

"Ey komm, Gott, wir gehn jetzt ma echt n bisschen was schiwmmen, nech?" jieperte er und versaute damit ordentlich den zuerst positiven Eindruck, den er bei der Flugbegleiterin hinterlassen zu haben schien. Abfällig wandte sie sich wieder dem Seemann zu, mit dem sie sich zuvor ganz unverfänglich im Beisein seiner Frau unterhalten hatte. Dieser Mann war ein Phänomen! Wenn er lag, hatte er den gewaltigsten Brustkorb, den die Menschheit je gesehen hatte. Ich mein, ihr denkt vielleicht, euer Brustkorb wär schon ne Nummer, aber das ist echt nix im Vergleich mit diesem... Doch dann irgendwann, er steht auf und ich hätte gerne ein Geräusch gehört. Floff! Das wäre das von mir gewünschte Geräusch gewesen, denn so sah das aus, wenn der gewaltige Brustkorb zu einem ebenso gewaltigen Bauch runterfiel.

BadeentenGott und der Teufel waren innzwischen zu 50% ins Wasser gegangen, und wärend Gott in mächtigen Zügen durch das spiegelglatte Wasser glitt, ab und zu "Toter Mann" machte (das konnte er wirkich ausgezeichnet!) zögerte der Teufel noch. Kaum dass sein Schwanz das Wasser berührte zuckten er und sein Besitzer zusammen und man hörte ein fiepiges Murmeln "Uuuah, kalt!" Naja, Mann kennt das ja. Ich selbst bevorzuge deswegen die ungemein männliche Methode "Anlauf und bevor der Körper merkt wie bescheurt die Idee ist rein ins Wasser".

Zwei weitere Gestalten, so schien es zumindest, wollten es den beiden Unsterblichen nachmachen, ein Mann mit Brille und eine Frau mit verschiedenen Klamotten an, an die ich mich nun nicht mehr erinnere. Gerade wollte ich aufspringen und laut rufen "Hey junger Mann, nicht! Sie haben noch ihre Brille auf, und wenn sie auch nur etwas Eindruck auf die Flugbegleiterin machen wollen, sollten sie nicht das Kopf-über-Wasser-und-vorsichtig-Schwimmen praktizieren sonder sich männlich und stark, ja gott-ähnlich, in die Fluten werfen!"

Ich unterließ es jedoch, denn dann hätte ich die unansehnliche Dame darauf ansprechen müssen, dass sie sich gefälligst zu entkleiden habe. Dies jedoch hätte in jedem Fall fatale Folgen. Entweder sie gehorcht und ich seh sie so, wie ich sie mir nicht wünschen würde, oder sie mosert und meckert und zeigt mich wegen sexueller Belästigung an.

So überliess ich beide ihrem Schicksal (sie meisterten es übrigens hervorragend, indem sie gar nicht ins Wasser gingen) und kehrte zurück zu der Flugbegleiterin-Problematik. "Stell dir die doch ma inner Uniform vor - das isse nich sag ich dir" ereiferte sich die holde Maid an meiner Seite. Mir war es nie so ganz bewußt, aber da fiel es mir auf: Man verbringt ungleich viel mehr Zeit damit, sich Leute ohne bestimmte Kleidung vorzustellen, als sich mehr oder weniger unbekleidete Leute im gegenteiligen Zustand vorzustellen. Nuja, ich glaub letztendlich, sie wars tatsächlich nicht.

Sandige HändeGott und der Teufel, ganz bereit das volle Strandprogramm zu fahren sind längst aus dem Wasser raus und beginnen sich ihren mitgebrachten Tui-aufblasbar-Ball zuzukicken. Während ich mich erneut eincreme! Prompt habe ich überall Sand. Ich hasse eincremen! Ekliges Gefühl, ölige Hände, alles voller Sand, der juckt und priepselt... Versteht mich nicht falsch, es kann durchaus ein sinnverwöhnendes Erlebnis sein, einen ansehnlichen Frauenkörper einzucremen, meiner Ansicht nach wird dies jedoch wesentlich überschätzt. Aber sich selber eincremen ist definitiv eine doofe Sache: Kommt man aus dem Wasser raus muss man sich eincremen. Dann jedoch ist man erstens nass und zweitens voll Sand. Ist man dann trocken ist es entweder zu spät, oder etwas anderes kommt dazwischen. Diesmal eben Gott und der Teufel.

"Mein Gott, zum Teufel nochmal mit diesem ewigen Eincremen!" entfährt es mir, worauf ich missbilligende Blicke der unabsichtlich Angeredeten erntete. Letztendlich beschloss ich, da ich im Urlaub war, alles ganz locker zu nehmen und widmete mich wieder dem Kniffel-Spiel mit meiner mitgebrachten Spielkameradin. Zack, Kniffel! Gewonnen habend und grinsend lehnte ich mich zurück und dachte mir "Eigentlich alles in Butter".

Topless Stewardess Damit hatte ich recht, denn der Teufel und Gott benahmen sich auch in den folgenden Tagen, von einigen kleineren Streitereien mal abgesehen, ganz ordentlich. Wenigstens stritten sie sich nicht wieder darum wer denn nun populärer und mächtiger sei. Letztes Mal hatte es mit einer ständigen Umgebungsveränderung von Schnee in der Hölle bis hin zu psychedelischen Dali-Landschaften geendet. In meinem Urlaub!

Naja, diesmal war es ja okeh und der Urlaub wurde auf dem Rückflug-Fragebogen mit "durch und durch gelungen" bewertet, auch wenn wir nur eine Reihe vor der Raucher-Abteilung saßen, die durch ein gewaltiges Nichts von der Nichtraucher-Abteilung getrennt war. Im hinteren Teil hörte man sich Gott und den Teufel mokieren und beklagen; sie hatten keinen Nichtraucher-Platz erwischt, weil sie sich nicht wie meine Landsleute und ich vier Stunden vor Öffnung des Schalters in eine lange Schlange einreihen wollten. Schön war nur, dass später mit einem mal alle netten Flugbegleiterinnen im Bikini durch das Flugzeug wandelten. Gott hatte scheinbar die gleiche Idee wie ich...

November 1997


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