Signs of Triviality

Opinions, mostly my own, on the importance of being and other things.
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Das ZDF, der Katalog und Ich

Two female bonobosZwei große Fehler waren es, die ich in letzter Zeit gemacht habe. Zum einen habe ich mir im Fernsehen aus Versehen eine Sendung im ZDF angesehen. In dieser ging es um Homosexualität im Tierreich. Mit dem Bürgersinn eines trunksüchtigen Eckenstehers berichtete der "Wissenschaftler", der wahrscheinlich in Wirklichkeit Tiere nicht leiden kann im Vorabendprogramm von einem schwulen Ganterpärchen, das sich ein Ei klaute und es auszubrüten begann. Weiterhin wurde auch über Gruppenonanie unter Delfinen berichtet, doch was mich nicht mehr losließ war das hemmungslose Sexualleben lesbischer Affen.

Selbst wenn sich ein Männchen angeboten hatte, zog es solch ein Weibchen vor, gleichgeschlechtliche Erlebnisse auszukosten. "Jaja, wir stammen alle von den Affen ab", werden sich jetzt Hella von Sinnen und manch andere frauenbewegte Frau nicht scheuen zu freuen. Mag ja sein, das ihr das tut, ich jedenfalls nicht. Ist mir auch egal, wenn doch, denn euer Sexualverhalten geht uns ungefähr soviel an, wie ein in einem chinesischen Reisfeld verlorener Bastschlappe. Jedenfalls fand ich es ganz interessant, wie regelmäßig (in der Dokumentation hieß es, alle 6 Stunden) und unter welchen Umständen (am liebsten während des Essens) diese Äffinnen-Pärchen ihre Hemmungen ließen. Sollte das etwa heißen, daß z.B. mitten in der Nacht bei diesen Tieren so etwas ähnliches wie ein digitaler, auf Sex eingestellter Wecker im Kopf oder in den Lenden oder wo auch immer losgeht und sie quasi zur Lust zwingen!?

Chrome Bike BellWie auch immer, diese Vorstellung eines digitalen Weckers schafft mir eine wirklich flüssig zu nennende Überleitung zu meinem zweiten großen Fehler den ich begangen habe: Ich habe sie mir wieder angesehen, diese widerlichen, abstoßenden und verpönten Kataloge der Werbegeschenksbranche, in denen einem die Macher wiedermal völlig überflüssige Produkte, von denen sie wahrscheinlich nicht einmal selber wissen, wozu die gut sind, andrehen wollen. Denn wer kann mir sagen, wozu ich "die echte Fahrradklingel der Chinesen (...nicht nur am Lenker, auch in Regal oder Vitrine wirkt das bemerkenswerte Sammlerstück dekorativ)" brauche. Die klingelt doch auch nicht auf chinesisch, und wenn doch, dann hört sich das genauso an wie hier in Europa. Das ist, als wollte man mir weismachen, in Madagaskar hört es sich anders als in Ungarn an, wenn ein Frosch aus dem 17 Stockwerk auf den Asphalt fällt. Da macht es nämlich wie hier in Deutschland schlicht und einfach "Platsch" (je nach Froschgröße auch ("Pfffflatsch" oder eventuell noch "Pengpatsch", aber so riesig sind die Unterschiede nun auch nicht).

Zumindest möchte ich fast meinen Luftbefeuchter darauf verwetten, dass diese Leute uns entweder für dümmer als Wellblech halten, oder den Arsch nicht nur halb sondern sogar ziemlich weit offen und den Kopf nur zum frisieren haben. Das beweist doch schon die Sache mit der "Stunt-Uhr" ("Ein patentiertes Anti-Schock-System, das 2 Tonnen Druck widerstehen kann, schützt diese Uhr, ...auch bei aktionsreichen Sportarten"). Ja, was denken die denn, was ich für Sport treibe?? Diese Uhr würde ich ja mit dem Frosch aus dem Fenster schmeißen können, und die wäre noch ganz (das Geräusch wäre jedoch etwas anders, vielleicht "Poing" oder "Tock"), doch wieso sollte ich mir eine Uhr für 169,- DM kaufen, und die dann mit einem Frosch fallenlassen? Das wär doch nun wirklich rausgeschmissenes Geld.

"Auf dem Land und natürlich unter Wasser (bis 100m wasserdicht)" - Also wirklich, das bringts doch nun voll nicht, wenn die Uhr zwar zwei Tonnen aushält, aber nach zwei Bahnen im Schwimmbad kaputtgeht. Wenn ich soetwas lese, überkommt mich immer das Verlangen, die Verantwortlichen mit einem Metronom um den Block zu prügeln, aber die sind ja eh grad nicht zu Hause, wie mir ihre "praktische Freisprechanlage mit integriertem Anrufbeantworter" immer wieder mitteilt. Schade!

November 1993


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